Neustädtischer Markt | Brandenburg

Die große Leere
Wie sah der Ort früher aus?
Einst stand hier das Neustädtische Rathaus, neben welchem sich die Roland-Statue von 1474 befand
Wie hätte der Ort aussehen sollen?
1996 begannen Bauarbeiten für die "Rathausgalerie", eine große innerstädtische Shoppingmall, welche später eingestellt wurden
Wer nutzte den Ort?
Urlauber, Einheimische, Einkäufer, Marktstandbetreiber, Jugendliche
Roland auf Reisen

Das Neustädtische Rathaus stammte in seinen Ursprüngen aus dem 14. Jahrhundert und wurde mehrfach umgebaut. Direkt neben dem Eingang befand sich bis 1941 die Roland-Statue von 1474. Zum Schutz vor Bombenschäden wurde sie außerhalb der Stadt vergraben. 1946 – das Rathaus mit seinen Anbauten war fast vollständig zerstört – wurde sie vor dem Altstädtischen Rathaus aufgestellt.
Kleine Figur, große Bedeutung

In die Sammlung des Museums im Frey-Haus hat diese kleine „Kopie“ des Rolands Einzug gehalten. Sie belegt die Bedeutung des „Rolands“ als Wahrzeichen für die Stadt – gleichgültig, an welchem Ort sie steht.
Ein inspirierendes Ensemble

Der Grafiker Walter Garski verbrachte 45 Jahre in Brandenburg an der Havel. In den 1920er Jahren erhielt er mehrfach Aufträge von der Stadt – so etwa für die Gestaltung von Motiven für Notgeld. In diesem Fall zeichnete er die markante Ecke des Neustädtischen Rathauses, an welcher der Roland platziert war.
Eine standhafte Wand

Von dem im 14. Jahrhundert erbauten Neustädtischen Rathaus blieb nach den Kämpfen um die Stadt im Zweiten Weltkrieg nur die gotische Rückwand erhalten. Als diese Aufnahme entstand, war über den Abriss des Gebäudes noch nicht entschieden worden – man überlegte, die noch existierende Wand in ein neues Gebäude einzubeziehen. Bis heute ist der Standort unbebaut.
Zeit für Veränderung

Den Ort des bis 1950 abgetragenen Rathauses nutzte man bis in die 1990er Jahre hinein als Parkplatz, für Großveranstaltungen und Aufmärsche. Am 12. November 1989 fand hier die größte Demonstration der Wendezeit in der Region statt. Den straßenseitigen Teil gestaltete man mit Grünanlage, einer großen digitalen Uhr und einem Springbrunnen. Dieser existierte an dieser Stelle bis 1995 und wird heftig vermisst.
Archäologische Funde statt shopping

Als Bauarbeiter 1996 begannen, den Bauplatz für die „Rathausgalerie“ – ein Shoppingcenter – vorzubereiten, stießen sie auf die Keller des ehemaligen Rathauses und seiner mittelalterlichen Vorgänger. Die geborgenen Funde aus dem Brandschutt von 1945 belegen die Nutzung als Verwaltungsgebäude – wie etwa diese Schreibmaschine. Aufgrund der langen, seit 1997 andauernden, Unterbrechung wurden die Planungen für die „Rathausgalerie“ eingestellt, 2002 wurden die Bauarbeiten beendet – das „Brandenburger Loch“ schien zur Dauereinrichtung zu werden. Die „Loch-Zu-Initiative“ verfüllte die Grube 2003 ohne Genehmigung und in Eigeninitiative unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Seither wird der Platz als Markt- und Parkplatz genutzt – und wurde während der Corona-Pandemie regionaler Treffpunkt der Querdenker-Szene. Bis heute wird über die weitere Gestaltung des Areals diskutiert.
Autorin: Elke Kimmel